Die Sachverständigenexpertise im Spannungsfeld zwischen Justiz und Psychiatrie am Beispiel des Hangbegriffes des §66 StGB (Sicherungsverwahrung) = Areas of Conflict between Law and Psychiatry - Illustrated using the Example of the Term "Proclivity” of Section Sign 66 German Criminal Code (Preventive Detention)

Puhlmann, P. ; Habermeyer, Elmar

In: Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 2010, vol. 4, no. 1, p. 39-47

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    Summary
    Zusammenfassung: Am Beispiel von Gutachten zur Frage einer Hangtäterschaft gemäß §66 StGB wurde untersucht, inwiefern die juristischen Gutachtenaufträge geeignet sind, die psychowissenschaftlichen Gutachter zu leiten und auf ihre Fachlichkeit zu beschränken. Außerdem wurden Begründungen für die Übernahme der Gutachtenergebnisse durch die Gerichte und sachverständige bzw. juristische Argumentationen zum Vorliegen eine "Hanges zur Begehung erheblicher Straftaten" ausgewertet. Die Ergebnisse der Untersuchung machen deutlich, dass sowohl die Auftragserteilung als auch die richterliche Würdigung der Gutachtenergebnisse formelhaft geschieht. Sowohl die gutachterliche als auch die juristische Argumentation zum Hang bezieht sich vorwiegend auf Aspekte der Delinquenzgeschichte. Überlegungen zur Persönlichkeit rezidivierender Straftäter treten demgegenüber in den Hintergrund, obwohl sie bei Begutachtung der Voraussetzungen einer Hangtäterschaft wesentlich zielführender wären. Die Arbeit wird deutlich machen, dass im interdisziplinären Spannungsfeld der Sachverständigenexpertise weiterhin Abstimmungsbedarf zwischen Justiz und Psychowissenschaften besteht