Faculté des lettres et sciences humaines

Humanitäre Hilfe für Geflüchtete an Europas Grenzen und ihre Rolle im europäischen Grenz- und Migrationsregime : eine ethnographische Forschung auf der griechischen Insel Chios im Sommer 2016

Mühlethaler, Esther ; Acherman, Christin (Dir.)

Mémoire de master : Université de Neuchâtel, 2017.

Zunehmend restriktive europäische Grenz- und Migrationspolitiken schränken sichere Einreisemöglichkeiten für geflüchtete Menschen nach Europa ein und provozieren humanitäre Notlagen an diversen europäischen Grenzorten. Die vorliegende ethnographische Masterarbeit fokussiert auf die griechische Insel Chios als ein solcher Grenzort, wo Geflüchtete seit dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Deals... Plus

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    Zusammenfassung
    Zunehmend restriktive europäische Grenz- und Migrationspolitiken schränken sichere Einreisemöglichkeiten für geflüchtete Menschen nach Europa ein und provozieren humanitäre Notlagen an diversen europäischen Grenzorten. Die vorliegende ethnographische Masterarbeit fokussiert auf die griechische Insel Chios als ein solcher Grenzort, wo Geflüchtete seit dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Deals im März 2016 feststecken und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Sie zeigt basierend auf den Daten einer zweimonatigen Feldforschung im Sommer 2016 die tragende Funktion nichtstaatlicher humanitärer Hilfe im europäischen Grenz- und Migrationsregime auf und beschreibt am Beispiel Chios ein komplexes Gefüge des Zusammenspiels humanitären Regierens und Praktiken der Grenz- und Migrationskontrolle an Europas Grenzen. Den theoretischen Rahmen der Arbeit bilden Grundlagen der Anthropologie des Humanitarismus und der Grenz- und Migrationskontrolle sowie Konzepte sogenannt humanitärer Grenzen. Aus der empirischen Analyse geht hervor, dass humanitäre Organisationen auf Chios nicht in der Lage waren, eine grundlegende und nachhaltige Behebung der humanitären Notlagen Geflüchteter zu erwirken. Dies lässt sich mit einer allgemeinen gegenseitigen Abschiebung von Verantwortung und der Abhängigkeit humanitärer Organisationen von Akteur/innen der Grenz- und Migrationskontrolle erklären. Es wird in der vorliegenden Arbeit sodann resümiert, dass aktuelle restriktive europäische Grenz- und Migrationspolitiken auf der Garantie nichtstaatlichen humanitären Intervenierens basieren und somit humanitäre Akteur/innen entgegen ihres Willens das Aufrechterhalten und Reproduzieren humanitärer Notlagen von Geflüchteten mittragen.