Faculté des lettres

Emotionsgeneralisierung und Emotionsregulation berufstätiger Elternpaare

Staats, Melanie ; Klumb, Petra (Dir.) ; Perrez, Meinrad (Codir.)

Thèse de doctorat : Université de Fribourg, 2005.

In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht wie Arbeitsplatzmerkmale, Merkmale der Person und der sozialen Umwelt die Vereinbarung von Beruf und Familie beeinflussen. Ausgehend von der Annahme, dass Beanspruchungsfolgen vom Arbeitsplatz in das Privatleben übertragen werden, befasste sich die Untersuchung mit den Auswirkungen positiver und negativer arbeitsbezogener sozialer Interaktionen auf das... Plus

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    Zusammenfassung
    In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht wie Arbeitsplatzmerkmale, Merkmale der Person und der sozialen Umwelt die Vereinbarung von Beruf und Familie beeinflussen. Ausgehend von der Annahme, dass Beanspruchungsfolgen vom Arbeitsplatz in das Privatleben übertragen werden, befasste sich die Untersuchung mit den Auswirkungen positiver und negativer arbeitsbezogener sozialer Interaktionen auf das Individuum zuhause. Im Rahmen des Generalisierungsmodells wurde geprüft, inwiefern kognitive Weiterbeschäftigung mit Problemen des Arbeitstages dabei eine Vermittlerrolle spielt. Da sich innerhalb von Paarbeziehung die Einstellungen, das Verhalten und das Befinden der Partner gegenseitig beeinflussen, analysierte die vorliegende Arbeit auch, inwiefern die individuellen Belastungen der Erwerbsarbeit auf das Befinden des Partners wirken, die täglichen Paarinteraktionen bedingen und mit welchen Konsequenzen im Hinblick auf die Beziehungszufriedenheit diese Prozesse verbunden sind. Die Stichprobe bestand aus 56 berufstätigen Elternpaaren. Die Studienteilnehmer1 waren im Mittel 37 Jahre alt, hatten 1,7 Kinder und 91 % verfügten über einen Hochschulabschluss. Soziodemographische Daten und Merkmale der Paarbeziehung wurden via Internet erhoben. Daran anschließend erfolgten an sieben Arbeitstagen mit Hilfe eines handgehaltenen Computers sechs Intervallstichproben, die Selbstberichte zu positiven und negativen sozialen Interaktionen, kognitiver Weiterbeschäftigung nach Arbeitsschluss sowie zum momentanen Wohlbefinden initiierten. Parallel dazu gaben die Paare Speichelproben zur Bestimmung des Cortisolniveaus ab. Sechs Wochen nach der Zeitstichprobenphase wurden via Internet die makroanalytischen Kriterien Beziehungszufriedenheit und allgemeines subjektives Wohlbefinden erhoben. Die Ergebnisse stützen die grundlegende Hypothese, dass soziale Interaktionen am Arbeitsplatz das emotionale Befinden sowie die physiologische Erregung beeinflussen und die Beanspruchungsfolgen in die heimische Umgebung übertragen werden. Kognitive Weiterbeschäftigung mit arbeitsbezogenen Problemen besaß als Vermittler im Transmissionsprozess einen geringeren Einfluss als angenommen. Wie vermutet, wirkten sich die individuellen Arbeitsbelastungen nicht nur auf das Individuum selbst, sondern auch auf seine soziale Umwelt aus. Soziale Stressoren am Arbeitsplatz führten zu schlechterer Stimmung des Partners und geringer Anzahl positiver Paarinteraktionen. Diese Beziehungen wurden durch das Geschlecht moderiert. Während soziale Stressoren des Partners sich bei den weiblichen Studienteilnehmern negativ auswirkten, waren sie bei den männlichen Studienteilnehmern sogar mit positiven Effekten für die Stimmung verbunden. Außerdem konnte eine höhere Anzahl positiver Paarinteraktionen an Tagen beobachtetet werden, an denen die Frauen mehr negative Interaktionen an ihrem Arbeitsplatz erlebten. Wie postuliert, nahmen positive Ereignisse der Erwerbsarbeit hingegen einen positiven Einfluss auf das Befinden des Partners und die Qualität der partnerschaftlichen Interaktionen. Langfristig zeigten sich Konsequenzen der Anforderungen in Beruf und Familie für die Beziehungszufriedenheit. Positive Paarinteraktionen am Abend waren mit höherer Beziehungszufriedenheit und negative alltägliche Paarinteraktionen mit geringerer Beziehungszufriedenheit assoziiert. Berufliche Anforderungen bedingen demnach die Qualität der Paarbeziehung, indem sie die alltäglichen partnerschaftlichen Interaktionen beeinflussen. Entgegen den Erwartungen korrelierte die über den Untersuchungszeitraum aggregierte Anzahl der positiven und negativen Interaktionen nicht mit dem allgemeinen subjektiven Wohlbefinden und chronischer physiologischer Erregung.