Faculté des sciences

Spatial and temporal occurrence of past debris flows in the Valais Alps : Results from tree-ring analysis

Bollschweiler, Michelle ; Monbaron, Michel (Dir.)

Thèse de doctorat : Université de Fribourg, 2007 ; Nr. 1572.

Murgänge sind in den meisten Berggebieten der Welt verbreitete Massenbewegungen, deren plötzliches und unvorhersehbares Auftreten eine Bedrohung für Transportwege und Siedlungen darstellt. Durch eine Ausbreitung der menschlichen Aktivitäten in Gebiete, die dem Einfluss von Murgängen ausgesetzt sind, ist eine detaillierte Gefahrenbeurteilung unumgänglich. Archivdaten zu vergangenen... Mehr

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    Zusammenfassung
    Murgänge sind in den meisten Berggebieten der Welt verbreitete Massenbewegungen, deren plötzliches und unvorhersehbares Auftreten eine Bedrohung für Transportwege und Siedlungen darstellt. Durch eine Ausbreitung der menschlichen Aktivitäten in Gebiete, die dem Einfluss von Murgängen ausgesetzt sind, ist eine detaillierte Gefahrenbeurteilung unumgänglich. Archivdaten zu vergangenen Ereignissen sind jedoch selten und meistens lückenhaft. Jahrringanalysen wurden bisher ebenfalls nur ausnahmsweise für die Untersuchung von vergangener Murgangaktivität eingesetzt. Das Ziel dieser Studie war es deshalb, Murgangfrequenzen für verschiedene Untersuchungsgebiete mit dendroökologischen Methoden zu erarbeiten, um zur systematischen Datenerfassung für Gefahrenbeurteilungen beizutragen. Zusätzlich wurden die räumliche Ausdehnung und räumliches Verhalten von Ereignissen rekonstruiert. Die Ausbreitung von traumatischen, tangentialen Harzkanalreihen (TRD) in von Murgängen verletzten Bäumen wurde ebenfalls untersucht, um die Kenntnisse über Wachstumsreaktionen betroffener Bäume zu verbessern. In der ersten Studie wurden 28 Verletzungen von acht Lärchen (Larix decidua Mill.) untersucht, welche infolge Murgangaktivität im Feergraben (Simplongebiet, Walliser Alpen) verursacht wurden. Ziel der Untersuchung war, das erste Einsetzen sowie die vertikale und tangentiale Ausbreitung von TRD nach einer Verletzung zu bestimmen. Dazu wurden insgesamt 182 Stammscheiben für die Analysen vorbereitet. Diese Studie stellt die erste Arbeit dar, welche die vertikale und tangentiale Ausbreitung von TRD in Bäumen untersucht, welche durch einen geomorphologischen Prozess und unter natürlichen Bedingungen verletzt wurden. Da die Bäume im Oktober 2000 und November 2004 verletzt wurden, also ausserhalb der lokalen Wachstumsperiode, konnten die ersten TRD erst in den Frühholz-Zellreihen des neuen Jahrringes beobachtet werden. Die vertikale Ausdehnung der TRD betrug im Durchschnitt 74 cm, war jedoch oberhalb der Verletzung deutlich ausgeprägter als unterhalb. Auf der Höhe der Verletzung waren TRD in 18% des nach der Verletzung vital bleibenden Bereichs des Umfangs vorhanden. Daneben konnte eine gewisse Verzögerung beim Einsetzen der ersten TRD mit zunehmender Distanz vom Zentrum der Wunde beobachtet werden. Aus diesem Grund sollten bei künftigen Untersuchungen Bohrproben nahe bei der Verletzung gezogen werden, um Fehler in der Datierung zu vermeiden. Für die Rekonstruktion vergangener Murgangereignisse in zwei Einzugsgebieten des Val Ferret (Walliser Alpen, Schweiz) wurden auf den Kegeln der Reuse de Saleinaz und des Torrent de la Fouly 556 Bohrproben von 278 stark betroffenen Lärchen, Fichten (Picea abies (L.) Karst.) und Föhren (Pinus sylvestris L.) gezogen. Jahrringuntersuchungen erlaubten die Rekonstruktion von 39 Ereignissen auf dem Kegel der Reuse de Saleinaz zwischen 1743 und 2003. Entlang der Murrinne des Torrent de la Fouly konnten 30 Ereignissen zwischen 1862 und 2003 rekonstruiert werden. Obwohl die geologischen und morphologischen Eigenschaften im Einzugsgebiet und im aktuellen Gerinne sehr unterschiedlich sind, bestehen kaum Unterschiede in der Murgangfrequenz: In beiden Wildbächen traten Murgänge demnach in der rekonstruierten Zeitspanne durchschnittlich mindestens einmal alle acht Jahre auf. In beiden Einzugsgebieten steht offensichtlich ausreichend Material für die Auslöung von Murgängen zur Verfügung und die Auslösung und das Auftreten von Ereignissen dürfte daher eher transport- als verwitterungslimitiert sein. Das Ziel der dritten Untersuchung war es, räumlichzeitliche Muster vergangener Murgangaktivität auf dem Kegel des Bruchjis (Blatten b. Naters, Wallis) aufzuzeigen. Basierend auf einer detaillierten geomorphologischen Karte (Massstab 1:1000) wurden 401 offensichtlich gestörte Lärchen und Fichten beprobt. Durch die Datierung von 960 Wachstumsstörungen konnten 40 Ereignisjahre zwischen 1867 und 2005 rekonstruiert werden. Durch die Verknüpfung der Jahrringdaten mit jenen der geomorphologischen Karte konnten elf ehemalige Rinnen auf dem Kegel identifiziert werden. Zusätzlich wurden fünf Muster räumlicher Aktivität vergangener Murereignisse aufgezeigt. Während die älteren Ereignisse vornehmlich Bäume im westlichen Teil des Kegels betrafen, haben sich Murgänge während der 1930er-Jahre in den östlichen Teils des Kegels verlagert. Im letzten Artikel wurden zwei unterschiedliche dendroökologische Ansätze für die Rekonstruktion vergangener Muraktivität kombiniert. Durch die klassische Datierung von Wachstumsstörungen mit dendrogeomorphologischen Methoden konnten auf dem Kegel des Grosse Grabe (Mattertal, Walliser Alpen) 49 Ereignisse zwischen 1782 und 2005 bestimmt werden. Die räumliche Ausbreitung der Ereignisse konnte durch die Positionierung der geschädigten Bäume auf der geomorphologischen Karte rekonstruiert werden. In den Sektoren, in welchen keine Bäume ein Ereignis überlebt haben und neue Bäume auf den Ablagerungen aufwuchsen, wurden die ältesten “Post-Event“-Bäume beprobt und ihr Alter durch das Zählen der Jahrringe ermittelt. Die Anzahl fehlender Jahrringe, die teilweise durch das Verfehlen des Baummarks während der Beprobung oder durch die Beprobung oberhalb des Wurzelanlaufs auftraten, wurde abgeschätzt und im Einzelfall dem errechneten Alter hinzugefügt, um so den Keimungszeitpunkt der Bäume so genau wie möglich zu bestimmen. Die Kombination der beiden Ansätze – dendrogeomorphologische Ereignisrekonstruktion und Bestimmung des Alters von Pionierbäumen – erlaubte eine Abschätzung des minimalen Zeitrahmens, der seit dem letzten Ereignis verstrichen ist, für insgesamt 23 der 29 Murrinnen auf dem Kegel. Es fällt auf, dass die Zeit seit dem letzten Ereignis mit wachsender Distanz von der heutigen Rinne stetig zunimmt. Abschliessend kann festgehalten werden, dass diese Dissertation neue Erkenntnisse zu den Möglichkeiten und Grenzen von Jahrringanalysen in der Murgangforschung liefert. Das Auftreten und die tangentiale und vertikale Ausbreitung von TRD in von Murgängen betroffenen Bäumen konnte erstmals aufgezeigt werden. Daneben wurden Frequenzen vergangener Ereignisse für vier Wildbäche in den Walliser Alpen rekonstruiert. Dekadenfrequenzen deuten darauf hin, dass die Muraktivität vor allem während der warm-feuchten Phase von 1916 bis 1925 überdurchschnittlich hoch war. In Gegensatz dazu konnte seit 1996 eine klare Abnahme in der Anzahl Ereignisse festgestellt werden, die jedoch teilweise auch durch bauliche Massnahmen in den Rinnen verursacht wurde. Während die vorliegende Arbeit wichtige Grundlagen für die Gefahrenbeurteilung in mehreren Wildbäche liefert, fehlen zuverlässige Angaben zur Grösse vergangener Ereignisse weiterhin. Hier sind weitere Studien nötig, um nebst den Veränderungen in der Frequenz auch den Einfluss des sich ändernden Klimas auf die Magnitude künftiger Ereignisse abschätzen zu können.
    Summary
    Debris flows are common mass-movement processes in most mountainous regions of the world, where their unpredictable and sudden occurrence represents a major threat to transportation corridors and settlements. Increased anthropogenic activity in regions exposed to debris-flow risk renders a detailed hazard assessment inevitable. However, archival data on past events remains scarce and, most of the time, fragmentary. Similarly, tree-ring analyses have been used only exceptionally to investigate past debris-flow activity. It is therefore the aim of this PhD thesis to reconstruct debris-flow frequencies for different torrents within the Valais Alps (Switzerland) using dendroecological methods in order to (i) contribute to the systematic acquisition of data on past events for hazard assessments, and (ii) to reconstruct the spatial extent and behavior of previous events. Also, the extension of tangential rows of resin ducts (TRD) was assessed in trees injured by debris-flow activity in order to improve knowledge regarding growth reactions of impacted trees. In the first paper, 28 injuries from 8 European larches (Larix decidua Mill.) wounded during debris-flow activity in the Feergraben (Simplon region, Valais Alps) were investigated. The aim of the study was to assess the onset of TRD after wounding, as well as their vertical and tangential extensions. Consequently, 182 stem discs were prepared for analysis. This study represents the first fundamental research on the vertical and tangential extension of TRD in trees that have been impacted by a geomorphic process under natural conditions. As the trees were injured in October 2000 and November 2004, i.e. after the end of the local growing season, TRD could only be observed in the earlywood cell layers of the new growth ring. The vertical extension of TRD averaged 74 cm, but was much greater above rather than below the injury. At the height of the wound, TRD were present in 18% of the circumference remaining vital after the impact. In addition, a certain delay in the onset of the reaction could be observed with distance from the centre of the impact. Therefore, increment cores should be sampled close to the wound in future studies in order to avoid dating mistakes. For the reconstruction of past debris-flow events in two catchments located in Val Ferret (Valais Alps, Switzerland), a total of 556 increment cores from 278 heavily affected European larches, Norway spruces (Picea abies (L.) Karst.) and Scots pines (Pinus sylvestris L.) were sampled from the cones of Reuse de Saleinaz and Torrent de la Fouly. Treering analyses allowed reconstruction of 39 events for the period 1743 to 2003 at Reuse de Saleinaz. Along the debris-flow channel of the Torrent de la Fouly, 30 events were reconstructed for between 1862 and 2003. Although the catchments and channels of the two torrents evince considerable differences in geology and morphology, debris-flow frequencies are very similar with, on average, one event every eight years for the period reconstructed. In both catchments, material is apparently readily available and the triggering and occurrence of events thus seems to be transport- rather than weatheringlimited. The aim of the third study was to assess spatiotemporal patterns of past debris-flow activity on the cone of the Bruchji torrent (Blatten b. Naters, Valais). Based on a detailed geomorphic map (scale 1:1000), 401 obviously disturbed European larches and Norway spruces were sampled. In total, 960 growth disturbances identified in the samples allowed assessment of 40 event years for the period 1867-2005. The combination of tree-ring analysis with geomorphic mapping allowed identification of eleven previously active debris-flow channels. In addition, five patterns of spatial behavior of past events could be assessed. While older events preferentially affect trees in the western part of the cone, the flow regime apparently changed during the mid-1930s towards the eastern part of the cone. In the last part of the study, two different dendroecological approaches were combined for the assessment of past debris-flow activity. Classical dating of growth disturbances with dendrogeomorphological methods allowed reconstruction of 49 events between AD 1782 and 2005. The spatial extent of events was determined by a positioning of disturbed trees on the geomorphic map. For sectors where survivor trees were absent, the oldest post-event trees were sampled and their age assessed counting the number of growth rings. Tree rings were added when the pith was absent on the increment core and to account for missing rings at sampling height. As a result, we were able to approximate the real age of trees with reasonable accuracy. The coupling of two different dendroecological approaches – dendrogeomorphological event reconstruction and assessment of germination dates of successor trees – allowed estimation of the minimum time elapsed since the last debris-flow activity for 23 of 29 channels on the cone. The time elapsed since the last event seems to increase with distance from the current channel. In conclusion, this PhD thesis provides new insights into the possibilities and limitations of tree-ring analyses in debris-flow research. The onset, as well as the tangential and vertical extension of TRD, could, for the first time, be assessed in trees impacted by debris flows. In addition, frequencies of past events could be reconstructed for four torrents in the Valais Alps. 10-year frequencies indicate times of high torrential activity in the past, especially during the warm-wet period between 1916 and 1925. In contrast, a decrease in the number of events can be observed since 1996. However, it needs to be said that a part of this decrease in frequency should be considered as being the result of anthropogenic interventions in the channels, rather than the effect of changing climatic conditions. While this thesis provides valuable data for hazard assessment, reliable data on the magnitude of past events remains scarce. Consequently, further research needs to determine not only changes in the frequency, but also the influence of a changing climate on the magnitude of future events.