Faculté des lettres

Fit for Job!? : Determinanten des Ausbildungserfolgs in der dualen Berufslehre am Beispiel des Berufs Kaufmann/-frau

Schafer, Yves ; Baeriswyl, Franz (Dir.)

Thèse de doctorat : Université de Fribourg, 2018.

Studien belegen die Wichtigkeit des Ausbildungserfolgs für die unmittelbare berufliche Anschlusslösung und für die weitere berufliche Laufbahn. Allerdings gibt es wenig Forschungsarbeiten, die sich mit dem Ausbildungserfolg in der dualen Berufslehre beschäftigen. Deshalb ist unklar, welche Faktoren den Ausbildungserfolg in der dualen Berufslehre beeinflussen und ob sich diese in den beiden... More

Add to personal list
    Zusammenfassung
    Studien belegen die Wichtigkeit des Ausbildungserfolgs für die unmittelbare berufliche Anschlusslösung und für die weitere berufliche Laufbahn. Allerdings gibt es wenig Forschungsarbeiten, die sich mit dem Ausbildungserfolg in der dualen Berufslehre beschäftigen. Deshalb ist unklar, welche Faktoren den Ausbildungserfolg in der dualen Berufslehre beeinflussen und ob sich diese in den beiden Lernorten Berufsfachschule und Ausbildungsbetrieb unterscheiden. Diese Fragen stehen im Zentrum der vorliegenden Untersuchung. Dabei wird der Ausbildungserfolg im Beruf Kaufmann/-frau fokussiert, denn rund ein Drittel aller dualen Berufslehrabschlüsse in der Schweiz entfallen auf diese Berufslehre. Einerseits wird der Ausbildungserfolg in der Berufsfachschule und im Ausbildungsbetrieb in Form von Abschlussnoten betrachtet. Andererseits wird eine subjektive Komponente des Ausbildungserfolgs in Form der Zufriedenheit und Identifikation mit dem Beruf sowie der Zufriedenheit mit der Ausbildung analysiert. Zur Vorhersage dieser fünf Indikatoren des Ausbildungserfolgs wird eine Vielzahl von relevanten Faktoren mit unterschiedlichem Status (Input-, Prozess-, Output- und Outcomefaktoren) und auf unterschiedlichen Ebenen (Mikro-, Meso, Makroebene) anhand eines theoretisch ausgearbeiteten Rahmenmodells systematisch verortet und anhand unterschiedlicher Berechnungsmethoden auf ihre Bedeutung für den individuellen Ausbildungserfolg empirisch geprüft. Die dafür verwendeten Daten stammen aus dem vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) finanzierten Forschungsprojekt Fit für den Job. Faktoren eines erfolgreichen Übergangs in die berufliche Anschlusslösung nach der kaufmännischen Berufslehre, in dem in den Jahren 2013 und 2014 Berufslehrabsolventinnen und -absolventen sowie Ausbildungsbetriebe zu mehreren Erhebungszeitpunkten in den Kantonen Bern und Freiburg befragt wurden. Zur Beantwortung der Fragestellungen werden in der vorliegenden Arbeit Daten von 394 Lehrabsolventinnen und -absolventen verwendet. Interessanterweise werden zwischen den Abschlussnoten und den Indikatoren des subjektiven Ausbildungserfolgs keine, oder nur schwache Zusammenhänge gefunden. Weiter zeigen die Ergebnisse, dass vor allem individuelle Faktoren der Lernenden den Ausbildungserfolg erklären. Für die Ausbildungsabschlussnoten und für die Zufriedenheit mit dem Beruf können zusätzlich auch Einflüsse der Berufsfachschule oder des Ausbildungsbetriebs identifiziert werden. Gemessen an der aufgeklärten Varianz können die Indikatoren des subjektiven Ausbildungserfolgs insgesamt besser erklärt werden als diejenigen des objektiven Ausbildungserfolgs, wobei das im Besonderen für die ausbildungsbetriebliche Abschlussnote gilt. Diese ist insgesamt schwer zu erklären und es wird nicht deutlich, was den Ausbildungserfolg im Ausbildungsbetrieb ausmacht. Für die berufsfachschulischen Abschlussnoten sind die Leistungsmerkmale besonders prädiktiv. Somit scheinen in der Berufsfachschule vor allem die Lernenden erfolgreich zu sein, die auch in der obligatorischen Schulzeit erfolgreich waren. Zur Notenvergabe in der Berufsfachschule werden vertiefend Kontexteffekte analysiert und es wird gezeigt, dass die Klasse als Referenzrahmen für die Beurteilung eine Rolle spielt. Für die Prognose der Identifikation mit dem Beruf am Ende der Berufslehre zeigen sich vor allem Merkmale prädiktiv, welche sich während der Berufslehre kaum beeinflussen lassen. Das wirft die Frage auf, inwiefern sich die Identifikation mit dem Beruf während der Berufslehre verändern lässt. Die Zufriedenheit mit der Ausbildung hängt in besonderem Masse von der Zufriedenheit mit der Berufsfachschule und dem Ausbildungsbetrieb ab. Für die Zufriedenheit mit dem Beruf sind die Ausbildungsbetriebszufriedenheit und die berücksichtigten Gründe bei der Berufswahl sehr wichtig, die Leistungsmerkmale hingegen sind kaum relevant. Zu allen Indikatoren des Ausbildungserfolgs werden vertiefte Ergebnisse dargestellt, interpretiert und ausführlich, aufeinander beziehend, diskutiert. In Form von 22 Schlussfolgerungen werden die wichtigsten Ergebnisse festgehalten und deren Bedeutung für die Praxis reflektiert.