Die Erschöpfung des Kaisers : Jacques-Louis Davids Napoleon im Washingtoner Tuilerien-Portrait

Mayer, Manuel

Das Abbild des modernen Regenten scheint kaum jemand so nachhaltig in Malerei umgesetzt zu haben wie Jacques-Louis David im Angesicht Napoleons. Das 1812 datierte Standbildnis des Kaisers in der National Gallery zu Washington entfaltete geradezu prototypischen Charakter für das politische Portrait der Folgezeit. Dabei wird jedoch stets übersehen, dass Davids gemalte Politik vor allem Kunst ist.... More

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    Zusammenfassung
    Das Abbild des modernen Regenten scheint kaum jemand so nachhaltig in Malerei umgesetzt zu haben wie Jacques-Louis David im Angesicht Napoleons. Das 1812 datierte Standbildnis des Kaisers in der National Gallery zu Washington entfaltete geradezu prototypischen Charakter für das politische Portrait der Folgezeit. Dabei wird jedoch stets übersehen, dass Davids gemalte Politik vor allem Kunst ist. Sein Gegenstand ist weder sachlicher Tatsachenbefund vergangener Weltanschauungen, noch Mittel zum Zweck leerer Kompositionstechniken, wie sie der abstrakten Moderne zur Rechtfertigung dienen können.Was dem Betrachter hier in Napoleon gegenübertritt, ist die malerische Aufrichtung eines aus dem Bilde herablastenden Blicks. Befrachtet mit vollbrachter Schreibtischarbeit für die Nation fällt das Schauen des Kaisers erschöpft in unser neugierig waches Hinaufblicken und fängt die Regentschaftsleistung in der niedrigen Ausgangsposition für unsere Bilduntersuchung auf. Zum Nachvollzug dieses Vorganges konzentriert sich der Aufsatz auf die Analyse der konkret anschaulichen Malleistung Jacques-Louis Davids. Er setzt damit ein Zeichen für die wissenschaftliche Notwendigkeit, Kunstgeschichte aus der Bewältigung ihrer beiden gleichwertigen Teile ›Kunst‹ und ›Geschichte‹ zu fügen und folglich die bisher vorherrschende Methodik der historischen Kontextualisierung um die disziplinimmanente Bildanalyse zu ergänzen.