Faculté des lettres

Stress und seine Bedeutung in der Kindheit : die Messung von frühen Stressoren und möglichen Folgen auf die psychische Gesundheit von Vorschulkindern

Stülb, Kerstin ; Munsch, Simone (Dir.)

Thèse de doctorat : Université de Fribourg, 2018.

Early adversities such as critical live events or cumulative everyday challenges might exceed individual coping strategies or resources and thus lead to pathological changes in the long term. Maladaptive physiological and psychological processes as a consequence of dysfunctional stress response are the basis of these changes. Preschool age plays an important role in this context, since the... More

Add to personal list
    Summary
    Early adversities such as critical live events or cumulative everyday challenges might exceed individual coping strategies or resources and thus lead to pathological changes in the long term. Maladaptive physiological and psychological processes as a consequence of dysfunctional stress response are the basis of these changes. Preschool age plays an important role in this context, since the developing brain still underlies a certain plasticity and thus behavior patterns and physiological processes are consolidating. Understanding the child`s normative stress response, it’s triggers and consequences, form the basis for counteracting maladaptive or pathological changes through prevention or intervention. Publication 1 presents the physiological stress reaction to an age-adapted stress task in two to six-year-olds. In addition, assessment of socio-economic, child- and task-related characteristics should provide information about the possible influences on preschooler’s stress response. Results revealed no overall response of the hypothalamic-pituitary-adrenal axis but a short-term response of the autonomic nervous system. The daily release of salivary-alpha-amylase, test lengths and movement further influenced the stress response. An anticipatory effect might have prevented further cortisol release during the stress test. However, the lack of additional cortisol release in combination with the activation of the autonomic nervous system might as well reflect the response of a predominantly healthy sample. The results of publication 2 support this assumption by changes in the self-reported affect and children’s facial expressions. Children were less likely to choose the positive image and also displayed less positive connotated facial expressions under stress. This coherence in the two measurements has been rarely detected in previous studies. Publication 3 supplemented the results of the first two publications with current prevalences of behavioral problems in Swiss preschool children and the influence of parenting style on their occurrence. Even in a predominantly healthy sample with only about seven percent of the children above the critical value for behavioral problems, parenting style plays an important role. Dysfunctional parenting had an influence on the occurrence of behavioral problems in both testing years. Finally, the results are placed in the existing literature and the clinical implications and treatment options that result out of the presented findings are discussed.
    Zusammenfassung
    Stressoren, wie einschneidende Lebensereignisse oder sich kumulierende alltägliche Herausforderungen können die individuellen Ressourcen eines Individuums überschreiten und so langfristig zu pathologischen Veränderungen führen. Maladaptive physiologische und psychologische Prozesse als Konsequenzen einer dysfunktionalen Stressreaktion liegen diesen Veränderungen zugrunde. Besonders das Vorschulalter spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle, da das sich entwickelnde Gehirn noch einer gewissen Plastizität unterliegt und sich Verhaltensmuster und auch physiologische Prozesse konsolidieren. Das Verständnis der kindlichen Stressreaktion, ihrer Auslöser und Konsequenzen bildet somit die Basis, um maladaptiven oder pathologischen Veränderungen mit Präventions- oder Interventionsmassnahmen entgegenzuwirken. Publikation 1 stellt in diesem Kontext die physiologische Stressreaktion auf einen altersangepassten Stresstest bei Zwei- bis Sechsjährigen dar. Ausserdem soll die Erfassung sozioökonomischer, kind- und testbezogener Parameter Aufschluss über die möglichen Einflussgrössen auf die Stressreaktion im Vorschulalter liefern. In der Gesamtstichprobe zeigte sich keine Reaktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse, jedoch eine kurzfristige Reaktion des autonomen Nervensystems. Die tägliche Ausschüttung der Speichel-Alpha-Amylase, die Testlänge und die Bewegung beeinflussten die Stressreaktion zusätzlich. Die Kinder zeigten möglicherweise einen Antizipationseffekt, der eine weitere Kortisolausschüttung während dem Stresstest verhinderte. Allerdings spiegelt die fehlende zusätzliche Kortisolausschüttung in Kombination mit der Aktivierung des autonomen Nervensystems möglicherweise auch eine adaptive Reaktion der untersuchten Stichprobe wider. Die Ergebnisse aus Publikation 2 stützten diese Annahme, denn im selbstberichteten Affekt wie auch den Gesichtsausdrücken der Kinder waren Veränderungen beobachtbar. Die Kinder wählten unter Stress weniger wahrscheinlich das positive Bild und zeigten auch weniger positiv konnotierte Gesichtsausdrücke. Diese Kohärenz in den beiden Massen liess sich in früheren Studien nur selten aufzeigen. Publikation 3 ergänzte die bisherigen Befunde durch aktuelle Prävalenzen für Verhaltensauffälligkeiten bei Schweizer Vorschulkindern und den Einfluss des elterlichen Erziehungsstils auf Selbige. Auch in einer überwiegend gesunden Stichprobe mit nur circa sieben Prozent der Kinder über dem kritischen Wert für klinische Auffälligkeiten spielte das Erziehungsverhalten eine tragende Rolle. Dysfunktionales Erziehungsverhalten hatte dabei einen Einfluss auf das Auftreten der Verhaltensauffälligkeiten. Schliesslich folgt im Rahmen der Diskussion die Einordnung der Befunde in die bestehende Literatur und die Betrachtung der klinischen Implikationen sowie Behandlungsmöglichkeiten, die sich aus den dargestellten Ergebnissen ableiten lassen.