Neophyten in Gebirgen - Wissensstand und Handlungsbedarf = Alien Plants in Mountains—State of Knowledge and Management Needs

Kueffer, Christoph

In: Gesunde Pflanzen, 2011, vol. 63, no. 2, p. 63-68

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    Zusammenfassung: In Gebirgen wurden bisher im Gegensatz zu Flachlandökosystemen nur wenige Neophyten beobachtet und nur selten gravierende Veränderungen durch invasive Arten dokumentiert. Seit 2005 untersucht das Mountain Invasion Research Network (MIREN, www.miren.ethz.ch) das Risiko von Pflanzeninvasionen in Gebirgen und erarbeitet präventive Management-Maßnahmen. Eine von MIREN erstellte Datenbank von nicht-einheimischen und invasiven Pflanzenarten in Gebirgen weltweit umfasst im Moment etwa 1500 Arten. Als problematisch in Gebirgen eingestuft werden zurzeit insbesondere Gehölzpflanzen und Arten, welche als Zierpflanzen eingeführt wurden und an ein Bergklima vorangepasst sind. Es ist zu erwarten, dass Pflanzeninvasionen in Gebirgen in naher Zukunft stark zunehmen werden. Klimawandel wird invasiven Pflanzen aus dem Tiefland ermöglichen, sich auch in Gebirgen zu etablieren. Durch die Veränderung der Landnutzung in Gebirgen von Weidewirtschaft hin zu mehr Tourismus kann eine Veränderung nicht-einheimischer Floren erwartet werden und damit ein erhöhtes Invasionsrisiko. Auch zunehmende anthropogene Nutzung und Störung von höheren Gebirgslagen können das Invasionsrisiko erhöhen. Gebirge, insbesondere die europäischen Alpen, sind bislang von Pflanzeninvasionen noch nicht gravierend betroffen. Dadurch ergibt sich die einmalige Möglichkeit, rechtzeitig auf eine zukünftige Bedrohung zu reagieren. Prävention im Sinne des Vorsorgeprinzips ist die effektivste und kostengünstigste Möglichkeit. Dazu müssen potentiell invasive Arten identifiziert und ihr Transport reglementiert werden. Mit dem Klimawandel werden sich in Zukunft auch vermehrt einheimische Tieflandpflanzen in Gebirge ausbreiten. Es bedarf daher einer breiteren Diskussion zur Bewertung und dem Management von Florenveränderungen in Gebirgen. Neben Pflanzen werden sich in Zukunft auch andere Organismengruppen verstärkt in höhere Lagen ausbreiten, zum Beispiel Schädlinge von Tieren und Pflanzen