Faculté des lettres et sciences humaines

European citizenship policy between building collectives and appealing to individuals: A study of person deixis

Van de Putte, Thomas

In: Bulletin VALS-ASLA, 2016, vol. 104, p. 105-123

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    Zusammenfassung
    In diesem Artikel wird der Gebrauch der deiktischen Ausdrücke "we" und "you" in einem Korpus analysiert, das aus zentralen politischen Reden und Broschüren anlässlich des Europäischen Jahrs der Bürgerinnen und Bürger 2013 besteht. Dies war ein politisches Projekt der Europäischen Kommission, um dem wachsenden Demokratiedefizit in Europa seit der ökonomischen Krise von 2008 entgegenzuwirken. Die Forschungsresultate zeigen das Wechselspiel zweier unterschiedlicher Strategien politischer Werbung, die darauf abzielen, den Bürger_innen die Institutionen der EU näherzubringen. Einerseits tendieren EU-Kommissionsmitglieder dazu, in politischen Reden ein adressateninklusives "we" einzusetzen, das auf die imaginierte Gemeinschaft der Europäer_innen referiert. Diese Eigen-Gruppe ("we") zeigt, anders als für viele Diskurse zu nationalen Identitäten typisch, keine explizit definierte Fremdgruppe ("them", "they"), sondern wird eher implizit von abstrakten Agenten oder Ereignissen wie "the crisis/die Krise" und "the globalized world/die globalisierte Welt" abgegrenzt. Die zweite politische Marketingstrategie, die von der Europäischen Kommission eingesetzt wird, orientiert sich stark an Werbesprachdiskursen, indem ein direkt adressierendes und appellierendes "you" benutzt wird, das darauf abzielt, das "we" (die Produzent_innen) mit dem "you" (die Konsument_innen) zusammenzubringen, ohne das "you" im "we" zu inkludieren.