Faculté des lettres

Verläufe internalisierender Probleme, externalisierender Probleme und des Substanzkonsums bei Risikojugendlichen : Vorhersage - Wechselwirkungen - Einfluss von Drittvariablen

Werlen, Egon ; Perrez, Meinrad (Dir.)

Thèse de doctorat : Université de Fribourg, 2011.

In dieser Arbeit werden 835 Jugendlichen aus einer Risikopopulation (supra-f) im Alter von 10 bis 20 Jahren (32% weiblich) untersucht, die innerhalb von ca. vier Jahren drei bis vier Mal befragt wurden. Es wird folgenden Fragen nachgegangen: A) Welche Verläufe internalisierender und externalisierender Probleme und des Substanzkonsums gib es? B) Welche Faktoren sagen die Verläufe vorher? C1) Wie... Plus

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    Zusammenfassung
    In dieser Arbeit werden 835 Jugendlichen aus einer Risikopopulation (supra-f) im Alter von 10 bis 20 Jahren (32% weiblich) untersucht, die innerhalb von ca. vier Jahren drei bis vier Mal befragt wurden. Es wird folgenden Fragen nachgegangen: A) Welche Verläufe internalisierender und externalisierender Probleme und des Substanzkonsums gib es? B) Welche Faktoren sagen die Verläufe vorher? C1) Wie interagieren die Problembereiche miteinander? C2) Welchen Einfluss haben Drittvariablen auf die Problembereiche? A) Für alle drei Problembereiche finden sich oft folgende vier Verläufe: 1) keine bzw. wenige Probleme (stabil tief), 2) zunehmende Probleme, 3) abnehmende Probleme und 4) chronische Probleme (stabil hoch). Weitere häufige Verläufe sind ein stabil mittlerer (statt hoher) Verlauf bei internalisierenden Problemen, eine Zunahme gefolgt von einer Abnahme (auf-ab) bei externalisierenden Problemen, Rauschtrinken und Cannabiskonsum, und Experimentierkonsum beim Tabak. Bei Verläufen der Delinquenz (dissoziales Verhalten) wurden in Langzeitstudien neben stabil tiefen und hohen, auch auf Kindheit begrenzte, auf Adoleszenz begrenzt und im Erwachsenenalter beginnende Verläufe gefunden (Moffitt, 1993; Patterson et al., 1998). Die resultierenden Verläufe aus dieser Arbeit stimmen weitgehend mit anderen Studien überein. Alle Variablen haben einen stabil tiefen und mit Ausnahmen einen zunehmenden und einen abnehmenden Verlauf. Ein stabil mittlerer/hoher Verlauf findet sich beim Substanzkonsum, fehlt aber bei der Delinquenz und bei den internalisierenden Problemen (ausser bei Ängstlichkeit). Delinquenz und Cannabiskonsum haben auch den erwarteten ‚auf-ab’-Verlauf. B) In der Regel haben Prädiktoren aus dem vorherzusagenden Problembereich einen grossen bzw. den grössten Einfluss. Daneben gibt es für alle drei Problembereiche wichtige Prädiktorengruppen. Dazu gehören: Eltern, Familie, Schule / Leistung, Geschlecht (oft als Moderator) und in der Regel etwas seltener Persönlichkeit / Temperament. Für internalisierende Probleme und Substanzkonsum haben auch Alter, Ethnie und sozioökonomischer Status einen schwachen Einfluss. Stress bzw. stressreiche Ereignisse haben einen Einfluss auf internalisierende und schwächer auf externalisierende Probleme. Gleichaltrige und Freunde beeinflussen externalisierende Probleme und Substanzkonsum. Den Substanzkonsum sagt auch der Substanzkonsum von Familienmitgliedern und Freunden / Gleichaltrigen vorher und den Konsum betreffende Kognitionen. Die Einflüsse und Prädiktoren auf die unterschiedlichen Verläufe stammen in der Regel aus denselben Prädiktorengruppen. Bei den resultierenden Prädiktoren der Verläufe in dieser Arbeit ist der jeweilige Problembereich ein starker Prädiktor. Die übrigen Prädiktoren stammen in der Regel aus den Bereichen Familie/ Eltern, Gleichaltrige, Geschlecht und weniger konstant soziale Ausgangslage. Die Prädiktoren aus den Bereichen Schule, Selbst, Stress, Persönlichkeit und Belastungsbewältigung sind weniger bedeutend. Die Prädiktoren stimmen weitgehend mit anderen Studien überein. Am wenigsten Übereinstimmung gibt es beim Substanzkonsum. Bei den externalisierenden Problemen ist die geschätzte Varianzaufklärung in der Regel tief. C1) Gegenseitig sagen sich die drei Problembereiche folgendermassen vorher: internalisierende Probleme sagen Substanzkonsum und seltener externalisierende Probleme vorher, externalisierende Probleme sagen internalisierende und Substanzkonsum vorher, und Substanzkonsum sagt externalisierende Probleme vorher. Ähnlich die Reihenfolge des Auftretens: externalisierende Probleme treten häufiger vor internalisierenden und Substanzkonsum auf, und internalisierende Probleme häufiger vor Substanzkonsum. Gemeinsames Auftreten (Komorbidität) von internalisierende und externalisierenden Problemen tritt vor allem beim männlichen Geschlecht auf. Die Zusammenhänge internalisierender mit externalisierenden Probleme nehmen mit dem Alter ab. Ihr gemeinsames Auftreten wird durch nicht spezifische Risikofaktoren verursacht, und in Modellen gibt es keinen gegenseitigen zeitverzögerten Zusammenhang. Mit Substanzkonsum gehen vor allem externalisierende Probleme zusammen. Bei Frauen treten internalisierende Probleme am Häufigsten mit Substanzkonsum auf. Die Resultate dieser Studie (Reihenfolge, Regressionsanalysen, Modelle): externalisierende beeinflussen internalisierende Probleme bei den Jungen, doch Depression beeinflusst Delinquenz. Internalisierende und externalisierende Probleme besonders Ängstlichkeit und Delinquenz beeinflussen den Substanz- bzw. problematischen Tabakkonsum, doch der problematische Alkoholkonsum beeinflusst die internalisierenden und die externalisierenden Probleme. Teils sagt Substanzkonsum externalisierende Probleme und bei Jungen deren Steigung vorher. C2) Drittvariablen aus anderen Studien, die Verläufe der drei Problembereiche beeinflussen, gehören zu Eltern/Familie, Gleichaltrige, Substanzkonsum, soziale Strukturen, Stress und internalisierende Probleme. Bei Verläufen des Substanzkonsums kommen externalisierende Probleme, Kognitionen und Persönlichkeit hinzu. Drei der vier soziobiografischen Variablen (soziale Ausgangslage, Alter, Geschlecht, Sprache) in dieser Studie zeigen Einflüsse auf die Problembereiche. Weiter ist eine gute Beziehung zu den Eltern ein Schutzfaktor, die Nähe zu problematischen Gleichaltrigen ein Risikofaktor. Ein positives Selbstkonzept schützt vor internalisierenden Problemen, geht aber mit mehr externalisierenden Problemen und Alkoholkonsum einher. Die wichtigsten Moderatoren zwischen einzelnen Variablen und den drei Problembereichen sind das Geschlecht für die Steigung, die soziale Ausgangslage und die Sprachzugehörigkeit für die Ausgangswerte und die Steigung.