Faculté des lettres et sciences humaines

Kunst und Entwicklung zusammengedacht : am Beispiel eines Kunstzentrums in Ouagadougou, Burkina Faso

John, Lena ; D'Amato, Gianni (Dir.) ; Künzler, Daniel (Codir.)

Mémoire de master : Université de Neuchâtel, 2016.

Kunstprojekte bilden einen möglichen Unterstützungsbereich der Entwicklungszusammenarbeit, der in der Praxis jedoch bislang nur gering etabliert sowie theoretisch und empirisch nur wenig erschlossen ist. Auf dieser Basis richtet die vorliegende qualitative Untersuchung den Blick auf Kunstprojekte in der entwicklungszusammenarbeit, die am Beispiel eines Kunstzentrums in der burkinischen... Plus

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    Zusammenfassung
    Kunstprojekte bilden einen möglichen Unterstützungsbereich der Entwicklungszusammenarbeit, der in der Praxis jedoch bislang nur gering etabliert sowie theoretisch und empirisch nur wenig erschlossen ist. Auf dieser Basis richtet die vorliegende qualitative Untersuchung den Blick auf Kunstprojekte in der entwicklungszusammenarbeit, die am Beispiel eines Kunstzentrums in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou veranschaulicht werden. Das Kunstzentrum steht im Fokus der Zusammenarbeit zwischen drei Vereinen aus Burkina Faso, Deutschland und der Schweiz. Im Rahmen dieser Masterarbeit wurden einerseits die daraus resultierende Kunstwelt in Anlehnung an die kunstsoziologischen Überlegungen von Howard S. Becker (1974, 1982, 1999) zum Konzept „Art Worlds“ sowie deren Implikationen für die Beziehungen zwischen den AkteurInnen analysiert. Andererseits wurden Vorstellungen und Erwartungen erschlossen, welche die AkteurInnen der drei Vereine mit der Rolle von Kunst in der Entwicklungszusammenarbeit verbinden. Empirische Grundlage bildeten Interviews mit ausgewählten AkteurInnen der drei Vereine sowie Beobachtungen, die im Kunstzentrum in Ouagadougou und an Anlässen in der Schweiz durchgeführt wurden. Als theoretische Bezugspunkte dienten neben Beckers Konzept der Kunstwelten entwicklungsanthropologische Beiträge und eine Herangehensweise an den Kulturbegriff, die sich an der Unterscheidung zwischen Kultur als Explicans und Kultur als Explicandum (vgl. Dahinden 2011) ausrichtet. Hinsichtlich der Herstellung der untersuchten Kunstwelt wurde ersichtlich, dass die Zusammenarbeit über spezifische Arbeitsteilungen innerhalb jedes Vereins und zwischen den drei Vereinen sowie über Knotenpunkte der Kommunikation strukturiert und organisiert ist. Es zeigte sich zudem, dass die Zusammenarbeit eine Spannung zwischen Eigen- und Fremdbestimmung birgt, auf die sowohl die Mitglieder des Schweizer Vereins als Geld vermittelnde Akteurinnen als auch der Präsident des burkinischen Vereins einwirken. Die Diskussion der Rolle von Kunst in der Entwicklungszusammenarbeit brachte eine Überlappung zwischen Vorstellungen von Kunst als zweckfreier Ausdrucksform und Verständnissen von Kunst als Instrument im Dienste ausserkünstlerischer Ziele wie Bildung und Erziehung zum Vorschein. Ausserdem wurde die Auffassung herausgearbeitet, dass über Kunst persönliche und gesellschaftliche Entwicklungsprozesse initiiert werden. Die Arbeit identifizierte mit Bezug auf bereits geführte wissenschaftliche Diskussionen Anknüpfungspunkte und Lücken, die durch die Kombination verschiedener Theorieperspektiven und die empirische Untersuchung geschlossen werden konnten, und bietet Anschlussmöglichkeiten für weitere Forschungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit.