Faculté des lettres et sciences humaines

Embedded English: integrating content and language learning in a Swiss primary school project

$totz, Daniel ; Meuter, Tessa

In: Bulletin VALS-ASLA, 2003, vol. 77, p. 83-101

Ajouter à la liste personnelle
    Zusammenfassung
    In einer zweijährigen Studie wurde ein Teilimmersionsprojekt des Kantons Zürich (Schulprojekt 21) evaluiert, in dem Englisch als Unterrichtssprache in den ersten drei Jahresstufen der Primarschule verwendet wurde. Das Projekt ist eine zweifache Herausforderung: Erstens wirft es die herkömmliche schulische Sprachpolitik der Schweiz über den Haufen, die vorsieht, dass Schulkinder zuerst die Sprache der Nachbarregion lernen; zweitens wurde ein niederschwelliger methodischer Ansatz gewählt, der Sprache und Sachfach in 20-minütigen täglichen Sequenzen integriert an Stelle einer traditionellen Methodik des Fremdsprachenunterrichts. Die Studie arbeitet das komplexe Verhältnis zwischen Unterrichtsinteraktion und dem frühen Erwerb von Sprachstrukturen (Lexikon, Morphologie) sowie interaktionaler Kompetenzen (Hörverstehen, dialogische Kompetenzen) heraus. Der Artikel konzentriert sich auf drei Fragen: • Wie setzen die Primarlehrkräfte die Unterrichtsmethodik um, in der sie instruiert wurden? • Welches beobachtbare Verhalten der Schüler und Schülerinnen ist mit Lernerfolgen verbunden? • Was für Kontakte und Erfahrungen mit der neuen Sprache sind notwendig, damit die gewählte Methode nachhaltig wird und die Kinder die Lernziele erreichen können? Die Ergebnisse der Untersuchungen unterstützen die Hypothese, dass eine minimalistische Teil-immersionsmethodik den Erwartungen der Behörden, Eltern und Lehrkräfte nicht gerecht wird. Die Gründe dafür liegen im Mangel an Kontinuität und Stärkung von neu zu lernendem Sprachmaterial sowie in der Unterrichtsinteraktion, die stark auf die Lehrperson zentriert ist. Das Projekt muss in seinem soziolinguistischen Kontext betrachtet werden: bezeichnenderweise fördert es die englische Sprache als internationale Verkehrssprache und nicht etwa als mögliche fünfte Landessprache zur binnenschweizerischen Verständigung, was einem Tabubruch gleichkäme. Der Artikel schliesst mit der Feststellung, dass das Schulprojekt 21 einen sozio-ökonomischen Ablasshandel darstellt und Gefahr läuft, die Priorität des Spracherwerbs aus den Augen zu verlieren.