Faculté des lettres

Spillover und Crossover bei Erwerbsarbeit, Familienarbeit und Freizeit : Belastungen und Kontrollerleben wirken auf das emotionale Befinden eine Untersuchung per Timesamplingmethode

Watzek, Dörte ; Perrez, Meinrad (Dir.) ; Schneewind, Claus (Codir.)

Thèse de doctorat : Université de Fribourg, 2008.

Hintergrund Das Wissen zu Spill- und Crossover wird bisher überwiegend durch Querschnittstudien, wenig durch klassische Längsschnittstudien gewonnen und seit einigen Jahren zunehmend auch durch Tagebuchstudien gewonnen. In den letzten Jahren wurde auch Time- und Eventsampling genutzt, um die Zusammenhänge zwischen den Mikrosystemen der Berufswelt und der Familienwelt zu ergründen. Bisher... Plus

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    Zusammenfassung
    Hintergrund Das Wissen zu Spill- und Crossover wird bisher überwiegend durch Querschnittstudien, wenig durch klassische Längsschnittstudien gewonnen und seit einigen Jahren zunehmend auch durch Tagebuchstudien gewonnen. In den letzten Jahren wurde auch Time- und Eventsampling genutzt, um die Zusammenhänge zwischen den Mikrosystemen der Berufswelt und der Familienwelt zu ergründen. Bisher spricht vieles dafür, dass Väter ihre Befindlichkeit auf ihre Partnerin übertragen, die Übertragung in der Gegenrichtung wurde nicht gefunden. Neben der objektiven Betrachtung einer Belastung ist wichtig, wie diese subjektiv bewertet wird. In der Konfliktforschung werden Emotionsübertragungen untersucht oder die Wirkungen von Belastungen erforscht. Eine Erweiterung der Emotionsübertragung durch andere Konzepte, wie dies z.B. die Stressforschung nahe legt, fehlte bisher. Wie wirkt sich z.B. das Erleben von einem Kontrollverlust in einer belastenden Situation aus? Zeigt sich die Wirkung innerhalb der Situation oder wirkt ein emotionales Befinden, eine Belastung oder ein Kontrollverlust über die Situation hinaus? Diese Wirkung kann intrapersonell oder interpersonell sein. Methode Mit Hilfe der Timesamplingmethode wird die Wirkung von verschiedenen Settings überprüft. Spillover und Crossover, also intra- und interpersonelle Übertragung von Erleben werden mit Hilfe von hierarchischen Regressionsmodellen bestimmt, wobei Effekte von Kontextfaktoren, vom emotionalen Befinden des Partners, der Partnerin sowie Effekte von Belastungen auf das emotionale Befinden berücksichtigt werden. Es wurde Belastungen sowohl aus der aktuellen wie auch aus der vorhergehenden Situation in die Modelle einbezogen. Ergebnisse Wie in der Stressforschung (Lazarus & Launier, 1981) oder in der Forschung zum Karasekparadigma (de Lange, Taris, Kompier, Houtman, & Bongers, 2003; Karasek & Theorell, 1990) postuliert, wirken sich emotionales Befinden und Kontrollerleben auf das Befinden später aus. Belastungen wie auch Kontrollerleben wirken in der Situation auf das aktuelle emotionale Befinden, Belastungen bewirken aber zu einem späteren Zeitpunkt kein negatives Befinden mehr. Innerhalb der Situation waren die Partnereffekte für alle drei Variablen sowohl für Väter als auch für Mütter negativ und signifikant. Crossover von einem Zeitpunkt zum folgenden konnte für Mütter und Väter beim emotionalen Befinden nur als Bruttoeffekt gezeigt werden, Actoreffekte im Modell reduzieren die Partnereffekte auf Null. Belastungen wirkten sich nicht auf den Partner, die Partnerin aus, wenn diese ca. drei Stunden später nach ihrem Befinden gefragt wurden. Kontrollerleben zeigte differenzierte Wirkung: vom Vater ging der Einfluss in Richtung positiveres Befinden nach mangelndem Kontrollerleben und von der Mutter ging der Einfluss in Richtung negativeres Befinden. Diskussion Durch die Beantwortung im Alltag ist es nicht auszuschliessen, dass in besonders stressigen Momenten zeitintensive Antwortmöglichkeiten gespart wurden. Diese ökonomische Nutzung der Selbstbeobachtung würden die vorliegenden Effekte verringern, dennoch konnten Effekte gezeigt werden. Dies gilt für die aktuelle Situation und meist auch für die Befragung ca. drei Stunden später. Im Gegensatz zu anderen Studien (Bolger, DeLongis, Kessler, & Wethington, 1989; Larson & Almeida, 1999) konnte eine Wirkung der Mütter auf die Väter nachgewiesen werden. Insbesondere unterschiedliche Reaktionen auf Kontrollerleben durch Mütter und Väter sollen hervorgehoben werden, dies war noch in keiner Untersuchung zuvor festgestellt worden. Da das Kontrollerleben sowohl in der Arbeits- und Organisationspsychologie rund um das Karasekparadigma (Theorell & Karasek, 1996) wie auch rund um das Stresskonzept von Lazarus (Lazarus & Launier, 1981) eine grosse Bedeutung hat, werden hier weitere Untersuchungen empfohlen.