Nationallizenzen : Ausgangslage und Rahmenbedingungen in der Schweiz : Studie im Auftrag des Konsortiums der Schweizer Hochschulbibliotheken

Wyer, Dorian ; Holländer, Stephan ; Schneider, René

Die akademische Nachfrage nach digitalen Informationsressourcen setzt die wissenschaftlichen Hochschulbibliotheken und somit auch den Forschungsstandort Schweiz erheblich unter Druck. Stagnierende Budgets, die seit längerer Zeit grassierende „Zeitschriftenkrise“, der technologische Fortschritt sowie eine „wache“ und fordernde Kundschaft verlangen effiziente Konzepte im Zusammenhang... Plus

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    Zusammenfassung
    Die akademische Nachfrage nach digitalen Informationsressourcen setzt die wissenschaftlichen Hochschulbibliotheken und somit auch den Forschungsstandort Schweiz erheblich unter Druck. Stagnierende Budgets, die seit längerer Zeit grassierende „Zeitschriftenkrise“, der technologische Fortschritt sowie eine „wache“ und fordernde Kundschaft verlangen effiziente Konzepte im Zusammenhang konkreter Zukunftsstrategien. Das Projekt der Nationallizenzen könnte für die beschriebenen Herausforderungen ohne Zweifel eine sinnvolle Alternative sein. Die Idee und das Bedürfnis an sich sind nicht neu. Denn betrachtet man den internationalen Kontext, so ist anzuerkennen, dass in anderen Ländern seit Anfang des Jahres 2000 entsprechende Projekte schon umgesetzt sind. Ein Blick nach Europa zeigt, dass Länder wie Grossbritannien, die skandinavischen Länder und vor allem der grosse Nachbar Deutschland, den Worten längst Taten folgen liessen. Wie diese Studie zeigt, hat die schweizerische Ausgangslage durchaus Potenzial, um mit den weltweiten Benchmarks mithalten zu können. So gibt es diverse politische und finanzielle Ansätze, welche eine nationale Kooperation für eine angemessene elektronische Literaturversorgung und deren Aufbereitung fördern. Verwiesen wird hier speziell auf das „Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken“ und das Projekt „Elektronische Bibliothek Schweiz (E-lib.ch)“. In der schweizerischen Rechtsliteratur taucht der Begriff der Nationalizenzen nicht auf. Geht man den Literaturhinweisen nach, kommt man zum Schluss, dass es sich ausschliesslich um den Erwerb von Lizenzen elektronischer Ressourcen handelt. Allgemein kann man darunter laufende E-Journals sowie deren Archivbestände (Backfiles), aber auch Datenbanken und E-Books verstehen. Hierzulande und somit auch für diese Studie beschränkt sich der Diskurs um die Nationallizenzen vorerst auf die Backfiles. Damit eine nationale Lizenzierung zu Stande kommt und letztendlich nicht nur als Mythos in den Köpfen verankert bleibt, braucht es vor allem aktive Akteure. Die wichtigsten sind die Lizenzgeber, Lizenznehmer und deren Förder-/Trägerinstitutionen. Gleichzeitig spielen die Nutzer, von denen die eigentliche Nachfrage kommt, eine ebenso entscheidende Rolle. Die alles entscheidende Frage ist nun, wie am besten mit den vorgegebenen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in der Schweiz umgegangen werden soll, um ein konkretes Projekt auf die richtige Bahn bringen zu können. Die einzelnen bestehenden Praxismodelle aus den erwähnten Ländern können für die Schweiz nicht einfach 1:1 übertragen werden. Hierzulande braucht es ein eigenes, spezifisches Modell, welches sich schon aus dem verhältnismässig benutzerfreundlichen Urheberrecht herleiten lässt. Dieses räumt dem Nutzer deutlich mehr Rechte ein, wie es bspw. das Recht auf eine Privatkopie belegt. Allgemein bietet der Gerichtsstand Schweiz und somit die Unterstellung ins Schweizer Recht (auch Lizenzrecht) den Bibliotheken mehr Rechtssicherheit und Handlungsspielraum. Darüber hinaus stellt die Finanzierung der Nationallizenzen eine zentrale Herausforderung dar, welche unter Berücksichtigung der föderalistischen Strukturen zu meistern ist. Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen schildert diese Studie drei verschiedene Szenarien, welche den zukünftigen Entscheidungsträger als Hintergrundinformation dienen sollen. Grundsätzlich regen alle Szenarien jeweils dazu an, die zukünftige Rolle und den Status des Konsortiums der Schweizer Hochschulbibliotheken zu definieren bzw. diesen zu erweitern oder gegebenenfalls zu modifizieren. Das erste Szenario sieht eine zentral-koordinierte Verhandlungsführung unter der Nutzung und dem Ausbau bereits bestehender Strukturen vor. Die zweite Variante ist ein dezentraler Ansatz, der für die einzelnen Hochschulbibliotheken mehr individuellen Spielraum im Bereich Lizenzierung zulässt, gleichzeitig aber auch die Schaffung neuer Strukturen und somit die Generierung zusätzlicher (finanzieller) Ressourcen verlangt. Das letzte Szenario geht davon aus, dass eine einseitige Konzentration auf die „Backfiles“ im Endeffekt „politisch“ nicht mehrheitsfähig ist, um die dafür notwendigen Sondermittel einzufordern. Die limitierten zur Verfügung stehenden Ressourcen sollten daher eher gleichmässig auf die verschiedenen, bereits bestehenden Kostenpunkte aufgewendet werden. Für die Lizenzierung elektronischer Literaturquellen wird deshalb gleichzeitig der „Status quo“, zugunsten des Ausbaus bestehender Dienstleistungen des Konsortiums, neuer Synergien (z.B. mit E-lib.ch) sowie der verstärkten Förderung von Open Access in Erwägung gezogen.