Faculté des lettres

Plädoyer für eine theorieadäquatere Methodik in gewissen Domänen der Psychologie = Pleading for a theory-adequate methodology in certain domains of psychology

Perrez, Meinrad

In: Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis, 2006, vol. 38, no. 2, p. 319-330

Der vorliegende Beitrag kritisiert an der weit verbreiteten Verwendung des Fragebogens in Forschung und Praxis die Theorieinkonsistenz dieses Messverfahrens. Sehr häufi g sollen Frequenzen, Intensitäten, mittlere Häufi gkeiten usw. von Erlebens- und Verhaltensweisen erfasst werden. Statt sich folgerichtig der Beobachtung zu bedienen, wird das Gedächtnis der Befragten bemüht. Dies wird hier... Plus

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    Zusammenfassung
    Der vorliegende Beitrag kritisiert an der weit verbreiteten Verwendung des Fragebogens in Forschung und Praxis die Theorieinkonsistenz dieses Messverfahrens. Sehr häufi g sollen Frequenzen, Intensitäten, mittlere Häufi gkeiten usw. von Erlebens- und Verhaltensweisen erfasst werden. Statt sich folgerichtig der Beobachtung zu bedienen, wird das Gedächtnis der Befragten bemüht. Dies wird hier als „Secondhand“-Forschung bezeichnet, nämlich als Forschung auf der Basis von Meinungen über Erleben und Verhalten, statt von beobachteten Phänomenen. Die computerunterstützte Selbstbeobachtung wird als alternative Methode dargestellt, und es werden verschiedene Typen von Fragestellungen erläutert, für die diese Diskrepanz von besonderer Bedeutung ist.
    Summary
    The paper criticizes the extremely frequent use of questionnaires in some areas of psychology. Questionnaires are considered as adequate research tools for the assessment of attitudes, opinions or the cognitive representation of the own and others’ behaviour, or of events. For most other areas alternative assessment tools are required. This kind of psychological research is based on memory and on subjective statistical inference, if frequencies, global estimations on behaviour and experience are assessed. It is interpreted as “second hand” research – the second hand is the memory – dealing with data on opinions instead on experience and behaviour. Computer-aided ambulatory assessment is introduced as an alternative approach to psychological data, more theory-adequate and reliable for different types of research questions.